BelleVue Ort für Fotografie


Mächtig erhebt sich im Hintergrund der nebelverhangene Gipfel eines Berges; davor erstreckt sich das facettenreiche Grün des dichten kolumbianischen Regenwaldes. Ein Teil eines Flusslaufs ist ebenfalls sichtbar und vervollständigt die friedvolle Szenerie. Ein paradiesischer Ort also? Ein reiches Land immerhin, denn in dieser Berglandschaft entdeckte man zwei der wertvollsten Smaragde, die je gefunden wurden: der «Fura», mit 11’000 Karat der grösste bisher gefundene Smaragd, und der «Tena», 2’000 Karat gross und von einem dunklen Grün, das ihn wertvoller macht als alle anderen Steine.


2004 besuchte der Schweizer Fotograf Luca Zanetti Boyacá, wo die Smaragde entdeckt wurden. Es ist einer von vielen Orten in Kolumbien, die Zanetti in den vergangenen zwanzig Jahren fotografiert hat. In zahlreichen Reportagen hat er sich diesem Land, das zu seiner Wahlheimat geworden ist, fotografisch angenähert. Dabei offenbaren seine Erkundungen und Begegnungen mit den Menschen ein zerrissenes Land voller Schönheit und erstaunlicher Geschichten - ein Land, das aber auch geprägt ist von Bürger- und Drogenkriegen.

So dokumentieren Zanettis Fotografien den Alltag von Kleinbauern, Cowboys und Ureinwohnern, gerahmt von der Schönheit einer üppigen Natur. Doch das Leben im vermeintlichen Paradies wird überschattet von Armut, Ungerechtigkeit und Gewalt. Der Konflikt zwischen Guerillagruppen, Paramilitärs und Regierungstruppen, der Krieg gegen Drogen sowie die Abwesenheit funktionierender staatlicher Strukturen haben Tag für Tag Auswirkungen auf das Leben der Menschen.

Die Ausstellung zeigt einen Fotografen, der uns dank seines präzisen Blicks, analytischer Distanz und gleichwohl emotionaler Nähe sowie dank seiner gestalterischen Klarheit tiefe Einblicke in ein Land mit einer hochkomplexen Geschichte und Gesellschaft erlaubt.

Die Bilder in der Ausstellung «Colombia – On the Brink of Paradise» im BelleVue sind über die vergangenen fast zwei Jahrzehnte entstanden; 2018 ist im Verlag Scheidegger & Spiess ein Buch mit dem gleichen Titel erschienen (mit 186 farbigen und 31 Schwarz-Weiss-Abbildungen und Texten von Anamaria Bedoya Builes, Alfredo Molano und Luca Zanetti).

Fotografie: Luca Zanetti